Hallo Tiemo,
ich versuche mal in Kürze zu erklären, was der Bordcomputer so alles machen soll. Das ganze realisiere ich mit Mikrocontrollern. In meinem alten Bus hatte ich einen Laptop verbaut, der ein paar Funktionen übernommen hat. Aber es nervte mich, dass ich immer erst den Computer einschalten und hochfahren musste. Ich will ein System haben, das sofort einsatzbereit ist. Und so machte ich mich an die Arbeit den Bordcomputer zu entwickeln.
Herzstück der Anlage ist ein 7‘‘ Toch-TFT Bildschirm, welcher an die Stelle kommt, wo bisher der Aschenbecher und der Lüftungsschlitz war. Die bisherige Blende des LT hat natürlich nicht den passenden Ausschnitt für das Display, weshalb ich das Originalteil mit Kunstharz abgegossen habe. Den bisherigen Ausschnitt für Aschenbecher und Lüftungsschlitz habe ich zuvor mit Knetmasse verschlossen, sodass ich in meiner Kopie an der Stelle eine glatte Oberfläche habe. Der Rest ist genauso strukturiert wie im Original. In dem Teil habe ich das Display eingelassen. Zusätzlich habe ich ein kleines grafikfähiges Dotmatrixdisplay über dem Tacho eingelassen.
Dient das kleine Display lediglich zur Anzeige von Geschwindigkeit o.ä., wird über das TFT Display alle übrigen Informationen angezeigt und es können alle Verbraucher geschaltet werden. Das ist für die Fahrt praktisch, beim Campen ist der Einbauort natürlich unpraktisch. Deshalb werde ich mir eine entsprechende App für mein Handy schreiben, welches dann mit Bluetooth Kontakt zum Bordcomputer hält und auch vom Handy aus alles gesteuert werden kann.
Aber nun zu den Funktionen:
Zum einen werde ich die folgenden Parameter messen und anzeigen:
-Drehzahl (Grüner Bereich wird dynamisch mit Öltemperatur verändert)
-Geschwindigkeit
-Km (unterschiedliche Tageskilometerzähler, Gesamtzähler, etc)
-Erinnerungen an Kundendienste in Abhängigkeit von Km oder Zeit
-Öldruck
-Öltemp
-Ladedruck
-Kühlwassertemp
-Treibstoffvorrat (Rest Km-Rechner, Durchschnittsverbrauch etc.)
- Lade und Entladestrom Start- und Wohnraumbatterie aufgeschlüsselt nach Solaranlage, LiMa, Ladegerät
- Frischwasservorrat
-Temperatur Innen/Außen
-Kühlschranktemperatur
-Betriebsmodus Kühlschrank mit Warnung bei Gasbetrieb während der Fahrt
-Betriebszustand Boiler
Mit diesen Informationen will ich so einiges umsetzen, denn anzeigen ist ja langweilig ;)
So gibt es ein paar Dinge, die mich oft schon genervt haben und die ich damit abstellen werde. Zum einen ist da die Frischwasserpumpe. Wenn ich den Wasserhahn nicht ganz zudrehe, kommt zwar kein Wasser mehr, die Pumpe läuft hingegen weiter und die zieht mal richtig Strom. Unterm Tag höre ich oft gar nicht, dass die ein paar Stunden weiter läuft. Hier werde ich einen Sicherheitstimer einbauen, der die Pumpe nach einer einstellbaren Zeit stoppt. Zurückgesetzt wird der Timer einfach durch vollständiges schließen des Wasserhahns.
Der Boiler ist zumindest bei mir sehr windempfindlich und geht bei ungünstigem Lüftchen oft auf Störung. Dies soll ebenfalls erkannt und der Boiler neu gezündet werden. Wie bisher aus- und wieder einschalten.
Ursprünglich wollte ich die Betriebsart des Kühlschranks auch automatisch wählen lassen (Fahrt 12V, Landstrom verfügbar 230V und ansonsten Gas). Aber da die Zündsicherung des Kühlschranks im Gasbetrieb zunächst durch Knopfdruck manuell überwunden werden muss, lässt sich das wohl nicht so einfach elektronisch lösen. Auf dieses Gimmick werde also verzichten, denn Sicherheit geht vor. Also werde ich lediglich eine Warnung ausgeben, wenn der Kühlschrank auf Gas läuft und ich den Motor starte.
Über die 230V Steuerung (die gleichen Steckdosen mit Landstrom oder über Spannungswandler speisen) habe ich ja bereits berichtet.
Da meine Standheizung defekt ist und ich sowieso nur im Sommerhalbjahr unterwegs bin werde ich für diese keinen Ersatz
anschaffen. Im Frühling oder Herbst kann es aber doch mal frisch werden, weshalb ich einen kleinen Heizlüfter an Bord habe. Hier werde ich eine Steckdose so anschließen, dass sie mit einstellbarer Innentemperatur schaltet. Somit habe ich i.V.m. dem Heizlüfter auch eine komfortable Temperatursteuerung. Hier wäre z.B. auch eine Nachtabsenkung o.ä. möglich.
Allgemein werden alle Steckdosen ob 230V oder 12V oder 5V schaltbar sein. Ob nun Zeit-, Strom-, oder Temperaturgesteuert ist dann ja alles möglich. Z.B. Abschaltung des Handyladegerätes bei Vollladung o.ä.
Nächster Punkt ist das Autoradio. Meine Musik kommt meist per Bluetooth vom Handy. Hierzu habe ich ein kleines Bluetoothmodul an den AUX Anschluss des Radios geklemmt, da meine olle Möhre kein BT integriert hat. Leider zieht das Radio ganz schön Strom, weshalb es nur so lang wie nötig laufen soll. Wenn ich also keine Musik mehr hören möchte, dann soll es automatisch abschalten, ohne dass ich mich hierzu vom Campingstuhl bemühen muss. Darum habe ich eine „Audioerkennung“ eingebaut. Sobald einige Sekunden keine Musik mehr gespielt wird, schaltet sich das Radio aus. Wenn ich am Handy wieder einen Song abspiele schaltet sich das Radio wieder zu. Ist auch ganz nett, das Radio zum Einschlafen spielen zu lassen. Einfach im Handy einen Sleeptimer einstellen und das Radio wird automatisch mit ausgeschaltet, ohne im Bordcomputer nochmals einen Timer einstellen zu müssen.
Um mich am nächsten Morgen von Musik wieder wecken zu lassen musste natürlich eine Umschaltung von AUX auf Radio oder CD her. Dazu habe ich das Radio angezapft. Es ist ein JVC mit abnehmbarer Blende. Darunter verbergen sich 16 Kontakte, die ich nach hinten rausgeführt habe. Jetzt muss ich „nur“ noch belauschen, welcher Tastendruck welchen Code an das Radio sendet und kann dies mit einem Mikrocontroller nachbilden.
Die gemessenen Daten hinsichtlich Lade/Entladeströme werden mitgeloggt, sodass ich mir den zeitlichen Verlauf auch mal im Diagramm anzeigen lassen kann. Als speicher dient hier eine SD Karte, die unterhalb des Monitors eingeschoben wird. Durch die Kenntnis des Lade-/Entladestroms weiß ich auch immer, wieviel Ah noch verfügbar sind und muss mich hier nicht auf grobe Spannungswerte verlassen, die je nach geschalteter Last doch nicht aussagekräftig sind. Ein Tiefentladeschutz ist ebenso vorgesehen, wie eine Notumschaltung auf die Starterbatterie, falls man doch noch mal schnell duschen möchte, die Bordbatterien aber bereits ausgelutscht sind.
Verschiedene Warnungen (leere Batterie etc.) werden dann über die Autolautsprecher ausgegeben. Hierzu werde ich wohl nicht umhin kommen einen MP3-Player zu basteln, der verschiedene Files abspielen kann. Ein sprechender LT hat doch was

.
Als Erweiterung meiner Wasserversorgung habe ich mir Magnetventile für Frisch-/Abwasser sowie Boiler vorgestellt. Hier wäre z.B. eine automatische Entleerung des gesamten Wassersystems bei anhaltendem Frost denkbar.
Ein digitales Fahrtenbuch, welches in Form einer Exceltabelle auf SD-Karte geführt wird ist auch möglich.
Den Plan einen Tempomaten zu bauen habe ich verworfen, da mir das dann doch zu heikel ist. Mehr als dauerhaft Vollgas kann im Fehlerfall zwar nicht passieren (und da rührt sich beim LT ja nicht viel ;)). Aber wie gesagt. Sicherheit geht vor.
Denkbar wäre noch eine Einparkhilfe per Ultraschall zu integrieren. Ist aber bislang nicht vorgesehen. Auch eine digitale Wasserwaage wäre denkbar. Evtl. gleich mit Anzeige unter welches Rad ein Auffahrkeil gehört. Das sind aber alles Spielereien, die vorerst noch nicht eingeplant sind. Aber ich halte das System recht „offen“, sodass es jederzeit erweitert werden kann. Hierzu habe ich einen CAN-Bus verbaut. Neue Module können so einfach angeschlossen und eingebunden werden.
Soooo, jetzt ist es doch ein ganzer Batzen Text geworden, sorry. Falls du selbst auch ein ähnliches Projekt planst helfe ich dir gerne weiter und bin natürlich auch sehr offen für Verbesserungsvorschläge und neue Ideen. Dann wäre aber ein eigener Tread sinnvoll, denn mit dem ursprünglichen Thema von Manfred hat das ja nichts zu tun. Kannst mir gerne auch ne PN schicken.
Viele Grüße
Fabian